Der richtige Umgang mit Kursschwankungen von Aktien – oder warum uns das Preisschild egal sein sollte

An den Börsen dieser Welt geht es gerade rauf und runter. Mit diesen Kursschwankungen können wir nicht umgehen – und lassen lieber die Finger von Aktien und Co. Schade eigentlich!

Wir Deutschen lieben das sogenannte Beton-Gold. In Immobilien investieren wir am liebsten unser Geld. Handfest, solide und sicher – so erscheint es uns. Dabei sind Immobilien nicht immer die beste Anlagealternative. Hohe Instandhaltungskosten können entstehen, bei vermieteten Objekten läuft man im schlechtesten Fall dem Geld hinterher. Der Ort oder Stadtteil, in welchem unsere Immobilie liegt, kann sich negativ entwickeln – und so weiter… Zig Risiken bzw. Nachteile, die wir bewusst in Kauf nehmen oder gekonnt ausblenden.

Es ist das Haptische, was wir mögen: Ein Haus ist ein Haus ist ein Haus. Es steht da. Wir können es ertasten, erfühlen, betreten und darin wohnen.

Ganz im Gegensatz zur Aktie. Die kauft man – am besten online über eine Direktbank. Der Wert ist erst einmal virtuell. Da stehen dann ein paar Zahlen im Depot. Daten im Endeffekt. Aber genauer betrachtet haben auch Aktien etwas absolut Handfestes: Hinter soliden Aktien stehen ordentliche Firmen – und diese Firmen besitzen ganz handfeste Dinge wie Gebäude, Produktionshallen, Maschinen, einen Fuhrpark, Produkte, Patente, einen Kundenstamm usw. Die Liste könnte ich unendlich weiterschreiben, aber das würde Dich langweilen. Im besten Fall ist es Dir schon bewusst, dass Unternehmen größtenteils nichts anderes sind als Sachwerte – genauso wie Immobilien.

Einen kleinen, aber entscheidenden Unterschied zwischen Immobilien und Aktien gibt es jedoch schon: Es ist das Preisschild!

An börsennotierten Unternehmen, also Unternehmen, an denen wir uns als Normalbürger schnell und unkompliziert über das Vehikel Aktie beteiligen können, hängt ein Preisschild. Dieses Preisschild aktualisiert sich mehrfach täglich oder gar minütlich in Form schwankender Kurse. Das hassen wir! Heute 1.000 Euro investiert, kann sich der Einsatz über kurz oder lang – theoretisch – verdoppeln oder halbieren. Gerade in Zeiten wie diesen, in denen die Kurse rauf und runter schießen – also sehr volatil sind – bereitet uns das Ganze schlaflose Nächte.

Zurück zur Immobilie: Nehmen wir nun mal an, Du wohnst im eigenen Haus. Wann hast Du Dir das letzte Mal darüber Gedanken gemacht, was der Kasten wert ist? Noch nie? Oder vielleicht mal vor einigen Jahren, als das vergleichbare Nachbarhaus (im besten Fall) für gutes Geld oder (im schlechtesten Fall) für viel zu wenig verkauft wurde? Auf jeden Fall wahrscheinlich noch nicht allzu oft. Klar, die böse Überraschung mag Jahrzehnte später kommen – dann, wenn Du das Haus mal verkaufen möchtest, um davon Senioren-Residenz und/oder Pflege zu bezahlen. Aber im Zweifel ist das dann nicht mehr so wichtig.

So oder so: Die Tatsache, nicht ständig über den aktuellen Wert der Immobilie nachdenken zu müssen, ist doch eigentlich ganz entspannend, oder?

Gleiches sollten wir mit Aktien tun! Investiert man breit gestreut, hängt die Anlage nicht nur von einzelnen Unternehmen ab. Einzelne Unternehmen – die Gefahr besteht immer – können auch mal untergehen. Ist man breit investiert, wird der Misserfolg eines Unternehmens durch den Erfolg anderer Unternehmen ausgeglichen. Ist dazu der Zeithorizont noch langfristig, dann sollte uns das aktuelle Preisschild völlig egal sein!

Beispiel DAX, der Deutsche Aktienindex, in welchem 30 große deutsche Unternehmen vertreten sind: Seit dieser im Jahr 1988 aufgelegt wurde, hat er im Schnitt pro Jahr gute acht Prozent Rendite eingefahren. Und das, obwohl es zwischenzeitlich drunter und drüber ging. So lag zum Beispiel der höchste Jahresverlust (im Jahr 2002) bei knapp 44 Prozent, der zweithöchste bei guten 40 Prozent (im Jahr 2008)!

Wäre nur dieses verdammte sich täglich aktualisierende Preisschild nicht – wir würden uns alle viel wohler fühlen mit dem Thema Aktien. Rational ist unser Unbehagen allerdings ganz und gar nicht:

Schau mal auf das DAX-Renditedreieck des Deutschen Aktieninstituts. Es zeigt die jährlichen DAX-Renditen für jeden möglichen Ein- bzw. Ausstiegszeitpunkt. Interessant und spannend zugleich. Nein, stimmt nicht ganz! Interessant und entspannend zugleich. Denn viel falsch machen konnte man mit einer Anlage in den DAX in der Vergangenheit nicht.

Ganz bequem kann man übrigens über einen monatlichen Sparplan – zum Beispiel auf einen DAX-ETF – in breit gestreute Aktien investieren. Der Sparplan kauft dann einfach automatisch Monat für Monat – in günstigen Zeiten mehr Anteile, in teureren weniger Anteile. Den Sparplan interessiert das Preisschild schon gar nicht. Und auch wir sollten es ignorieren!

 

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