Börsencrash in China! Ja und?

Letzte Woche ist ANYONECAN.DE live gegangen. Mitten rein in eine der schwärzesten Börsenwochen seit langem. Prompt bin ich von einigen Leuten gefragt worden, was man denn nun machen sollte. Meine Antwort: „Ruhe bewahren!“

In den letzten ein, zwei Wochen hat es mal so richtig gekracht. Schlechte Nachrichten über Chinas Wirtschaft bzw. Aktienmärkte haben dafür gesorgt, dass die Kurse weltweit nach unten gesaust sind.

KEINER weiß – auch nicht die besten Experten –, in welche Richtung sich das Ganze weiterentwickelt.

Es sind immer nur Vermutungen. Ich persönlich glaube zum Beispiel (und erste Anzeichen sprechen dafür), dass dies nur eine handfeste Korrektur war. Ich glaube nicht an einen Crash. Die schlechten Nachrichten wurden von den Aktionären überwertet – und daher hat es jetzt mal ordentlich gerumst. Aber wie gesagt: Glauben ist nicht wissen! Es kann sein, dass es in wenigen Tagen schon wieder ganz anders aussieht.

Warum ich dem normalen Privatanleger dazu rate, Ruhe zu bewahren, möchte ich kurz erklären:
In Aktien sollte man sein Geld anlegen, wenn man einen mittel- bis langfristigen Anlagehorizont hat (und das sind aus meiner Sicht mindestens 8-10 Jahre). Von den zwischenzeitlichen Schwankungen sollte man sich als Privatanleger unbeeindruckt zeigen.

Das Schlimmste, was einem passieren kann, ist das, was die beiden rot markierten Zahlen auf dem Bild dieses Blog-Beitrages zeigen – und was übrigens ein typischer Anlegerfehler ist.

Aber fangen wir von vorne an! Die Geschichte zu dem Bild geht wie folgt:

China_712x268_jpg

Die Kurse steigen eine ganze Weile halbwegs konstant nach oben (1). Was macht der Anleger? Er wähnt sich sicher und glaubt, dass es eigentlich nur noch einen Weg gibt: nämlich nach oben.

Irgendwann ist der Zeitpunkt, an welchem etwas Unvorhergesehenes eintritt: Eine ordentliche Korrektur bzw. vielleicht auch ein Crash ist die Folge (2) – und Korrekturen bzw. Crashs kommen übrigens IMMER unvorhergesehen. Wenn dies nicht so wäre, würden die Kurse nicht binnen kürzester Zeit so stark absacken.

Der Anleger denkt zunächst die ersten paar Tage bzw. wenigen Wochen: „Wird schon wieder vorübergehen“ (3).

Nach einigen Wochen verliert er dann aber doch die Nerven und verkauft – der Kurs ist jetzt schon relativ weit unten (4).

Genauso reagieren auch andere. Sie verkaufen – und das drückt die Kurse weiter nach unten. Danach fühlt sich unser Anleger noch ein paar weitere Wochen bestätigt: „Siehste, wusste ich es doch! Zum Glück bin ich ausgestiegen“ (5). Weil er seine Entscheidung natürlich – vor allem vor sich selbst – bestätigen möchte, ist für ihn glasklar, dass scheinbare Erholungen nur vorübergehender Natur sein können. „Das alles ist erst der Anfang vom großen Crash – und wenn es dann ganz unten ist, dann steige ich wieder groß ein“, sagt er sich (6).

China_712x268_jpg

Das Problem: Der Markt will nicht so wie er will. Es war tatsächlich nur eine Korrektur. Nach einigen Wochen oder vielleicht wenigen Monaten entwickelt sich alles schon wieder ganz gut (7). Der Anleger aber hält sich zu lange an seiner Meinung fest – schließlich will er diese ja immer noch bestätigt wissen.

Da der Kurs aber nicht weiter abstürzt, sondern eher wieder Richtung Himmel schießt, kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem er seine Meinung revidiert. Er kann eigentlich gar nicht anders. Alle Anzeichen sprechen für eine Börsenrally. Was macht unser Anleger? Er steigt hektisch wieder ein (8). Dann jedoch zu einem höheren Kurs als der, zu dem er vorher verkauft hat (4). Unterm Strich hat er Geld in den Sand gesetzt. Er hätte schlicht und einfach dabei bleiben sollen.

Eines sollte man sich immer vor Augen führen: Man erwischt nie den optimalen Zeitpunkt eines Ein- bzw. Ausstieges in bzw. aus dem Aktienmarkt.

Ein optimales Timing für den Kauf oder Verkauf von Aktien gelingt auch den meisten Experten nicht. Und wenn, dann ist es meist reine Glücksache.

 

FAZIT:

 

  • Ist man schon mit einem Aktien-Portfolio am Start, dann gilt die erste Regel: Ruhe bewahren (aus den genannten Gründen). Hat man noch Geld rumliegen, welches man für ein paar Jahre entbehren kann, sind Korrekturen eine gute Gelegenheit, günstig nachzukaufen.
  • Investiert man z.B. monatlich 200 Euro in einen Aktien-Sparplan, dann gilt um so mehr die Regel: Ruhe bewahren und sich freuen, dass man in schlechten Zeiten für diese 200 Euro mehr Aktien kaufen kann (weil günstiger).
  • Ist man noch gar nicht am Aktienmarkt involviert, dann eignen sich Korrekturen für einen stückweisen Einstieg. Danach gilt auch hier: Ruhe bewahren! Nicht alles auf einmal investieren. Es könnte weiter bergab gehen – dann freut man sich, wenn noch nicht „das gesamte Pulver verschossen ist“ und man weiter unten günstig nachkaufen kann. Geht es nach oben, freut man sich auch. Und was sollte man dann tun? Richtig – Ruhe bewahren und auf die nächste Korrektur warten, um dann mit einem weiteren Teil einzusteigen.

Aktienmärkte schwanken nun mal. Das muss man aushalten können. Langfristig betrachtet bringen breit gestreute Aktien Renditen zwischen 7 und 8 Prozent. Der DAX z.B. – der Deutsche Aktienindex – hätte seit seiner Geburtsstunde 1988 bis Ende letzten Jahren durchschnittlich 8% pro Jahr für einen eingefahren. Und das, obwohl wir in den Jahren 2000 und 2008 extreme Börsencrashs hatten und zwischendurch noch die ein oder andere kleinere oder größer Korrektur.

Die wichtigste Regel also, um langfristig erfolgreich zu sein: Ruhe bewahren!

 

3 Kommentare
  1. Anna
    Anna says:

    Super, Sebastian! Ich habe wirklich gedacht: ‚ok, lässt du doch erstmal mit den Aktien, ich hab es ja immer gesagt, das die risikoreich sind‘. Aber du hast Recht! Man muss sich nur mal Aktienkurse über mehrere Jahre anschauen. Die sehen nunmal so aus wie deine Darstellung. Und die Streuung ist auch noch ein Thema.
    Danke für deinen Beitrag. Der ist für mich logisch und überzeugend.

    Antworten

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