Zinserhöhung in den USA – einfach erklärt

Die Zinserhöhung in den USA könnte für uns Deutsche ein Weihnachtsgeschenk sein. Könnte……

In der letzten Woche ist was passiert: Die Zinsen in den USA wurden erhöht. Toll, denken jetzt die Sparer unter uns. Gibt mehr Geld fürs Ersparte. Nicht so toll, denken alle, die gerade nach einem Häuschen Ausschau halten und dieses finanzieren müssen. Höhere Zinsen heißt mehr Geld, was monatlich an die Bank überwiesen werden muss. Soweit der Grundzusammenhang, der ja auch erst mal richtig ist.

Allerdings: Diese Woche ging es um die FED – die Federal Reserve. Die FED ist das für die USA, was die EZB (Europäische Zentralbank) für die Europäische Union ist: die Notenbank.

Notenbanken sind in Staaten oder Staatengebilden wie der EU verantwortlich für die Geldwertstabilität.

Ob der Wert einer Landeswährung stabil ist, weiß man, wenn man sich die jeweilige Geldentwertung (Inflation) anschaut. Warum das so wichtig ist? Aus 1000 Euro werden bei einer Inflationsrate von 10% nach einem Jahr nur noch 900 Euro. Bzw. die 1000 Euro sind noch da, aber es können nur noch Waren im Wert von 900 Euro gekauft werden. Das ist natürlich nicht schön, und das will keiner von uns. Das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank liegt übrigens bei 2% pro Jahr. Bis zu diesem Wert spricht man von Geldwertstabilität.

Zurück zur Zinserhöhung: Die FED hat also die Zinsen erhöht – in Amerika. Freuen über höhere Zinsen können sich daher erst einmal nur amerikanische Sparer. Amerikanische Schuldner dagegen bekommen im Zweifel Bauchschmerzen, weil ggfs. der Kredit teurer wird.

Ok, was in Amerika passiert, kratzt Dich nicht, wirst Du evtl. jetzt sagen. Was interessieren Dich die Zinsen in den USA. Du willst JETZT höhere Zinsen auf Deinem Sparkonto HIER in Deutschland! Aber ganz so einfach ist es nicht:

Das weltweite Finanzsystem ist ein eng verzahntes Geflecht. Die Entscheidung der FED hat somit weltweit Konsequenzen.

EIN KLEINER CRASH-KURS ZU DEN WICHTIGSTEN KONSEQUENZEN DER FED-ZINSERHÖHUNG:

Mit dem Geld ist es wie mit (fast) allen anderen Produkten auch: Der Preis regelt Angebot und Nachfrage. Ist der Preis hoch, geht die Nachfrage runter und anders herum. Beim Geld sind die Zinsen der Preis. Sind die Zinsen hoch, nehmen die Leute weniger Kredite auf – fragen also weniger Geld nach.

Sind die Zinsen dagegen niedrig (ist Geld also billig), rennen die Leute in Scharen zur Bank und leihen sich noch mehr Geld. Man spricht daher dann auch von „Geldschwemme“.

Was passiert? Mit dem vielen billigen Geld stürmen die Leute die Händler und kaufen Fernseher, Fahrräder und andere schöne Sachen. Das ist erst mal super, denn die Wirtschaft wird angekurbelt. Die Händler verkaufen viel. Die Regale sind ständig leer. Beim Produzenten muss laufend nachgeordert werden. Der Produzent fährt Sonderschichten und stellt zusätzliche Leute ein – die Händler natürlich genauso.

Die Händler freuen sich, dass ihre Produkte so begehrt sind. Sie machen das, was jeder von uns wahrscheinlich machen würde: Sie erhöhen die Preise! Die Leute stört das erst mal nicht, denn Kredite sind günstig zu bekommen. Außerdem steigen ihre Löhne, denn der Arbeitsmarkt ist leergefegt. Arbeitskräfte sind gefragt wie selten zuvor.

Nun ist sie da: die Inflation – steigende Preise bei gleicher Leistung.

Die Wirtschaft wird also angekurbelt, die Konjunktur belebt. Das kann einige Jahre gut gehen. Irgendwann allerdings entsteht die Gefahr einer Blase und einer galoppierenden Inflation – d.h. die Leute zahlen konsequent mehr für ihre Güter als sie eigentlich wert sind. Das wiederum kann das gesamte Gefüge ins Wanken bringen.

Um dies zu vermeiden, muss frühzeitig eine Art behutsamer Bremsvorgang eingeleitet werden. Und genau das ist es, was die FED in der letzten Woche getan hat. Sie hat die Zinsen leicht erhöht. Damit wird Geld wieder teurer. Es wird also unattraktiver für die Leute, Kredite aufzunehmen und mit dem geliehenen Geld teilweise sinnlos zu konsumieren oder zu investieren. Nachlassende Nachfrage führt dazu, dass die Händler weniger verkaufen, der Produzent weniger produziert und insgesamt weniger Arbeitskräfte nachgefragt werden. Auch die Lohnsteigerungen werden in der Folge natürlich nicht mehr so stark ausfallen.

Über die Höhe der Zinsen kann also jede Zentralbank im eigenen Land bzw. in der eigenen Region die Inflationsrate steuern und die Wirtschaft ankurbeln bzw. bremsen.

Schön sagst Du jetzt, und was hat das nun mit uns hier in Deutschland/Europa zu tun?

Eine ganze Menge! Denn durch die nun höheren Zinsen in den USA wird der Dollar teurer. D.h. er gewinnt an Wert. Das hat einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Wechselkurs zwischen Euro und Dollar. Mussten wir Deutschen vor gar nicht mal so langer Zeit für zehn Dollar ca. 7,50 Euro zahlen, sind es jetzt schon ca. 9,20 Euro.

Das ist zunächst mal nicht schön: Amerikanische Waren werden für uns Deutsche teurer. So zum Beispiel unser USA-Urlaub.
Aber die Medaille hat wie immer zwei Seiten: Denn deutsche Waren werden für amerikanische Kunden billiger. Für ein deutsches Produkt, welches z.B. 10 Euro kostet, hat ein amerikanischer Kunde vor gar nicht langer Zeit noch über 13 Dollar bezahlt, jetzt sind es nur noch gute zehn.

Das Ergebnis: Deutsche Waren sind im Ausland billig und werden somit stark nachgefragt. Weil wir Deutschen eine Exportnation sind (man bedenke alleine die Autoindustrie), profitieren wir in höchstem Maße davon. Die deutsche Wirtschaft wird also angekurbelt, nur weil die FED ein wenig an der Zinsschraube dreht und die EZB unverändert „die Geldschleusen offen hält“. Die Chancen auf ein – wirtschaftlich – gutes Jahr 2016 stehen für uns Deutsche also gar nicht mal so schlecht. Das ist doch mal ein nettes Weihnachtsgeschenk. Allerdings: Schön wäre es, wenn Wirtschaft so einfach funktionieren würde. Natürlich gibt es neben der Höhe der Zinsen auch noch weitere Faktoren, die einen nicht unerheblichen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung haben könnten.

Und so ist es wie mit so manchem Weihnachtsgeschenk: Die gute Absicht, die war da! 😉

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