Warum wir auf Garantien pfeifen und stattdessen vermeintlich risikoreicher anlegen sollten

Wir Deutschen lieben die Sicherheit. Auf dem Tagesgeldkonto gibt es so gut wie keine Zinsen. Bei vielen Vorsorgeprodukten sind die Renditen – wenn überhaupt vorhanden – minimal. Wir akzeptieren das. Unser oberstes Ziel ist die Bestandssicherung. Die Option, unser Geld vermeintlich risikoreicher anzulegen und damit die Chance auf eine höhere Rendite zu erhöhen, die blenden wir leider zu oft aus. Das ist schade!

Der Leitzins ist in Europa auf einem historischen Tiefstand. Die Folge: Für unser Geld bekommen wir so gut wie keine Zinsen mehr.

Auf unserem Tagesgeldkonto wird uns das regelmäßig vor Augen geführt. Gab es vor einiger Zeit vielleicht noch zwei- bis dreistellige Eurobeträge pro Jahr, kann man heute froh sein, wenn man sich von den Zinsen vielleicht gerade noch ein paar Kugeln Eis kaufen kann. Irgendwie gewöhnen wir uns daran. Ist halt so. Und in erster Linie geht’s ja auch darum, wenigstens kein Kapital zu vernichten.

Wir merken das auch bei unseren Versicherungsprodukten für die Altersvorsorge. Da ist es nur nicht ganz so plakativ. Versicherungen arbeiten leider nur selten mit Rendite-Kennziffern. Meistens stehen auf den jährlichen Standmitteilungen immer nur absolute Zahlen. Fühlt sich ganz gut an, sagt aber leider nichts aus.

Problematisch wird es bei den Altersvorsorgeprodukten, die Garantien (feste Auszahlungssummen) bieten. So z.B. die Riester-Rente mit einer sogenannten „Beitragsgarantie“. Beitragsgarantie bedeutet, dass man mindestens die Summe der Beiträge heraus bekommt, die man eingezahlt hat.

Oder die klassische Lebensversicherung: Diese zahlt einem – heute neu abgeschlossen – 1,25 Prozent „Garantiezins“ pro Jahr. So wie es im Moment aussieht, wird sich dieser Garantiezins wohl schon sehr bald in Richtung 0,9 Prozent bewegen.

Die Garantien sind das größte Übel von Riester & Co. Denn sie sind der Grund, warum die dahinter stehenden Versicherungen sich nicht trauen, das Geld besser anzulegen. Um in jedem Fall die versprochenen Garantien zu erwirtschaften, wird konservativ – sprich in festverzinsliche Papiere – angelegt.

 

ZWEI SCHLAGENDE ARUMENTE, WARUM WIR AUF GARANTIEN PFEIFEN SOLLTEN:

1. Die Inflation schmälert die Garantie

Beispiel Riester-Vertrag: Er garantiert einem mindestens die Rückzahlung der eingezahlten Beträge in Form einer garantierten Rente. Was jedoch dabei nicht außer Acht gelassen werden darf: Eine heute garantierte Rente von – sagen wir – 200 Euro monatlich ist in vierzig Jahren (bei Renteneintritt) bei einer Inflation von nur durchschnittlich einem Prozent (was niedrig ist!) nur noch 134 Euro wert.

Nochmal dreißig Jahre weiter – man muss ja davon ausgehen, dass man alt wird -, kann man sich von den 200 Euro monatlich nur noch Waren im Wert von 100 Euro kaufen. Es wird also immer weniger. Und klar, 100 Euro sind immerhin 100 Euro. Tatsache ist jedoch: Wenn das eigene Wohl und Wehe später von diesen 100 Euro abhängt, dann ist man wahrscheinlich ein Fall für die Grundsicherung – also das, was der Staat einem mindestens zum Leben zur Verfügung stellt. Da auch die Riester-Rente angerechnet wird, hätte man sich das Sparen in diesem Fall „sparen können“.

2. Investiert man in Anlagen mit einer höheren Rendite, hat man auch einen größeren Puffer

Höhere Renditen gibt’s zum Beispiel am Aktienmarkt. Vielleicht gehörst Du zu denjenigen, bei denen sofort die Alarmglocken angehen. Aktien! Um Gottes Willen! Viel zu spekulativ!

Ich bin ein großer Freund von Aktien – genauer gesagt von einer Anlage in breit gestreuten börsengehandelten Indexfonds (sogenannten ETFs). Die Vorteile und wie man auch als Laie damit für später vorsorgen kann, das habe ich in zwei, drei anderen Blog-Artikeln bereits beschrieben:

Für später vorsorgen mit Indexfonds

Leute, kauft Aktien!

Die böse Börse

Worum es mir heute geht: Ich möchte gerne einmal aufzeigen, was bei einer Anlage in Aktien theoretisch schief laufen muss, dass man langfristig gesehen mit garantieren Renten-/Auszahlungshöhen besser fährt:

Hierzu vergleiche ich einmal die Performance einer breit gestreuten Aktienanlage (Sparplan auf einen Indexfonds) mit den Garantiewerten einer Riester-Versicherung und einer klassischen Lebensversicherung.

 

Als Beispiel wähle ich eine Sparsumme von 150 Euro pro Monat, 40 Jahre lang.

Garantierter Endwert der Riester-Versicherung (Beitragsgarantie):                      72.000 Euro

Garantierter Endwert der Lebensversicherung (0,9 Prozent Garantiezins):          86.625 Euro

Endwert einer breit gestreute Anlage in Aktien-Indexfonds (z.B. auf den

Weltindex MSCI World – konservative Wertentwicklung: 6 Prozent p.a.):                 287.625 Euro

 

Steuerliche Aspekte habe ich hier – um es zu vereinfachen und weil man auch gar nicht weiß, wie die Steuergesetze in 40 Jahren aussehen – außer Acht gelassen.

Die Unterschiede sind – wie man sieht – beträchtlich. Und jetzt wirst Du vielleicht sagen: Das ist ja alles gut und schön. Aber was ist mit der Schwankungsanfälligkeit von Aktien?

Fatal wäre der Fall, dass man kurz vorm Renteneintritt noch einmal einen großen Börsen-Crash mitnimmt. Hätte man mal doch lieber Riester oder Lebensversicherung gewählt – mit den festen Garantiewerten. Oder etwa nicht? Leider nicht!

Mit der Aktienanlagen wäre man höchstwahrscheinlich immer noch besser gefahren: Bei dieser hätte man – um mindestens den Garantiewert von Riester zu halten, einen Crash von 75 Prozent vertragen können. Um auf den Garantiewert der Lebensversicherung zu kommen, hätte man immerhin noch einen Crash von knapp 70 Prozent vertragen können. Nur mal für die Dimension: Die beiden historischen Börsencrashs von 2000 bzw. 2007 haben – in der Spitze – einen Rückgang von 51 bzw. 59 Prozent bedeutet.

Zwei Punkte darf man zudem hierbei nicht vergessen:

Punkt 1: Nicht sein gesamtes Aktienvermögen benötigt man sofort. D.h. man könnte den Crash im besten Fall aussitzen (Nach den beiden historischen Börsen-Crashs des vergangenen Jahrzehnts hätte man nach sechs bzw. sieben Jahren die Vor-Crash-Höchststände wieder erreicht).

Punkt 2: Im Idealfall hätte man sich vorher schon abgesichert: Nähert man sich nämlich dem eigenen Ruhestand und möchte man auf das Kapital zurückgreifen, sollte man rechtzeitig anfangen, Stück für Stück auszusteigen, d.h. Anteile zu verkaufen und in Cash umzuwandeln.

Du siehst also, der Puffer einer breit gestreuten Aktienanlage ist ganz schön groß. In gewisser Weise ist das eine Art Absicherung – allerdings nicht um den Preis miserabler Renditen. Denn im Idealfall läuft alles gut, und man sitzt zum Renteneintritt auf einem ordentlichen Polster.

Und zu guter Letzt: Das Ganze ist nur EIN Denkanstoß FÜR die Aktienanlage und GEGEN Riester & Co. Weitere Denkanstöße findest Du auf meinem Blog bzw. auf meinem YouTube-Kanal.

 

2 Kommentare
  1. Bernd
    Bernd says:

    Ich liebe Zahlen und Fakten!!

    Danke für diesen deutlichen Artikel, wer sich da immer noch an die „Sparstrumpf“-Technik hält ist echt selber schuld. Ich bin ebenfalls der Meinung das man sein „Glück“ (oder auch Geld) selbst in die Hand nehmen sollte. Ich denke ich werde mich hier noch öfter umschauen – vielen dank dafür!

    Bernd

    Antworten

Kommentiere diesen Artikel

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*