Zinserhöhung in den USA – einfach erklärt

Die Zinserhöhung in den USA könnte für uns Deutsche ein Weihnachtsgeschenk sein. Könnte……

In der letzten Woche ist was passiert: Die Zinsen in den USA wurden erhöht. Toll, denken jetzt die Sparer unter uns. Gibt mehr Geld fürs Ersparte. Nicht so toll, denken alle, die gerade nach einem Häuschen Ausschau halten und dieses finanzieren müssen. Höhere Zinsen heißt mehr Geld, was monatlich an die Bank überwiesen werden muss. Soweit der Grundzusammenhang, der ja auch erst mal richtig ist.

Allerdings: Diese Woche ging es um die FED – die Federal Reserve. Die FED ist das für die USA, was die EZB (Europäische Zentralbank) für die Europäische Union ist: die Notenbank.

Notenbanken sind in Staaten oder Staatengebilden wie der EU verantwortlich für die Geldwertstabilität.

Ob der Wert einer Landeswährung stabil ist, weiß man, wenn man sich die jeweilige Geldentwertung (Inflation) anschaut. Warum das so wichtig ist? Aus 1000 Euro werden bei einer Inflationsrate von 10% nach einem Jahr nur noch 900 Euro. Bzw. die 1000 Euro sind noch da, aber es können nur noch Waren im Wert von 900 Euro gekauft werden. Das ist natürlich nicht schön, und das will keiner von uns. Das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank liegt übrigens bei 2% pro Jahr. Bis zu diesem Wert spricht man von Geldwertstabilität.

Zurück zur Zinserhöhung: Die FED hat also die Zinsen erhöht – in Amerika. Freuen über höhere Zinsen können sich daher erst einmal nur amerikanische Sparer. Amerikanische Schuldner dagegen bekommen im Zweifel Bauchschmerzen, weil ggfs. der Kredit teurer wird.

Ok, was in Amerika passiert, kratzt Dich nicht, wirst Du evtl. jetzt sagen. Was interessieren Dich die Zinsen in den USA. Du willst JETZT höhere Zinsen auf Deinem Sparkonto HIER in Deutschland! Aber ganz so einfach ist es nicht:

Das weltweite Finanzsystem ist ein eng verzahntes Geflecht. Die Entscheidung der FED hat somit weltweit Konsequenzen.

EIN KLEINER CRASH-KURS ZU DEN WICHTIGSTEN KONSEQUENZEN DER FED-ZINSERHÖHUNG:

Mit dem Geld ist es wie mit (fast) allen anderen Produkten auch: Der Preis regelt Angebot und Nachfrage. Ist der Preis hoch, geht die Nachfrage runter und anders herum. Beim Geld sind die Zinsen der Preis. Sind die Zinsen hoch, nehmen die Leute weniger Kredite auf – fragen also weniger Geld nach.

Sind die Zinsen dagegen niedrig (ist Geld also billig), rennen die Leute in Scharen zur Bank und leihen sich noch mehr Geld. Man spricht daher dann auch von „Geldschwemme“.

Was passiert? Mit dem vielen billigen Geld stürmen die Leute die Händler und kaufen Fernseher, Fahrräder und andere schöne Sachen. Das ist erst mal super, denn die Wirtschaft wird angekurbelt. Die Händler verkaufen viel. Die Regale sind ständig leer. Beim Produzenten muss laufend nachgeordert werden. Der Produzent fährt Sonderschichten und stellt zusätzliche Leute ein – die Händler natürlich genauso.

Die Händler freuen sich, dass ihre Produkte so begehrt sind. Sie machen das, was jeder von uns wahrscheinlich machen würde: Sie erhöhen die Preise! Die Leute stört das erst mal nicht, denn Kredite sind günstig zu bekommen. Außerdem steigen ihre Löhne, denn der Arbeitsmarkt ist leergefegt. Arbeitskräfte sind gefragt wie selten zuvor.

Nun ist sie da: die Inflation – steigende Preise bei gleicher Leistung.

Die Wirtschaft wird also angekurbelt, die Konjunktur belebt. Das kann einige Jahre gut gehen. Irgendwann allerdings entsteht die Gefahr einer Blase und einer galoppierenden Inflation – d.h. die Leute zahlen konsequent mehr für ihre Güter als sie eigentlich wert sind. Das wiederum kann das gesamte Gefüge ins Wanken bringen.

Um dies zu vermeiden, muss frühzeitig eine Art behutsamer Bremsvorgang eingeleitet werden. Und genau das ist es, was die FED in der letzten Woche getan hat. Sie hat die Zinsen leicht erhöht. Damit wird Geld wieder teurer. Es wird also unattraktiver für die Leute, Kredite aufzunehmen und mit dem geliehenen Geld teilweise sinnlos zu konsumieren oder zu investieren. Nachlassende Nachfrage führt dazu, dass die Händler weniger verkaufen, der Produzent weniger produziert und insgesamt weniger Arbeitskräfte nachgefragt werden. Auch die Lohnsteigerungen werden in der Folge natürlich nicht mehr so stark ausfallen.

Über die Höhe der Zinsen kann also jede Zentralbank im eigenen Land bzw. in der eigenen Region die Inflationsrate steuern und die Wirtschaft ankurbeln bzw. bremsen.

Schön sagst Du jetzt, und was hat das nun mit uns hier in Deutschland/Europa zu tun?

Eine ganze Menge! Denn durch die nun höheren Zinsen in den USA wird der Dollar teurer. D.h. er gewinnt an Wert. Das hat einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Wechselkurs zwischen Euro und Dollar. Mussten wir Deutschen vor gar nicht mal so langer Zeit für zehn Dollar ca. 7,50 Euro zahlen, sind es jetzt schon ca. 9,20 Euro.

Das ist zunächst mal nicht schön: Amerikanische Waren werden für uns Deutsche teurer. So zum Beispiel unser USA-Urlaub.
Aber die Medaille hat wie immer zwei Seiten: Denn deutsche Waren werden für amerikanische Kunden billiger. Für ein deutsches Produkt, welches z.B. 10 Euro kostet, hat ein amerikanischer Kunde vor gar nicht langer Zeit noch über 13 Dollar bezahlt, jetzt sind es nur noch gute zehn.

Das Ergebnis: Deutsche Waren sind im Ausland billig und werden somit stark nachgefragt. Weil wir Deutschen eine Exportnation sind (man bedenke alleine die Autoindustrie), profitieren wir in höchstem Maße davon. Die deutsche Wirtschaft wird also angekurbelt, nur weil die FED ein wenig an der Zinsschraube dreht und die EZB unverändert „die Geldschleusen offen hält“. Die Chancen auf ein – wirtschaftlich – gutes Jahr 2016 stehen für uns Deutsche also gar nicht mal so schlecht. Das ist doch mal ein nettes Weihnachtsgeschenk. Allerdings: Schön wäre es, wenn Wirtschaft so einfach funktionieren würde. Natürlich gibt es neben der Höhe der Zinsen auch noch weitere Faktoren, die einen nicht unerheblichen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung haben könnten.

Und so ist es wie mit so manchem Weihnachtsgeschenk: Die gute Absicht, die war da! 😉

Warum Du bei der Performance Deiner Lebensversicherung lieber zweimal hinschauen solltest!

Einmal im Jahr verschicken die großen Lebensversicherer die aktuellen Standmitteilungen der jeweiligen Verträge an ihre Kunden. Sie könnten sich das auch sparen.

Ich würde behaupten: 95 Prozent der Versicherungskunden missverstehen diese Standmitteilungen. Und das liegt nicht am Kunden.

Es gibt wohl kaum etwas, was so intransparent ist wie eine Lebensversicherung für die eigene Altersvorsorge.

Schaut man sich die Standmitteilungen mal genauer an, dann stehen dort zunächst einmal große Beträge. Zu lesen ist dort z.B. der wohlige Satz: „Zum Ablaufdatum im Jahr 2043 ergeben sich bei einem Wertzuwachs Ihres Vertrages von 4, 6 oder 8 Prozent Auszahlungsbeträge in Höhe von ein bis mehreren hunderttausend Euro.“

Die Prozentzahlen sehen vernünftig aus. Die hohen Summen fühlen sich gut an. Schließlich hat man gerade als junger Mensch wohl selten mit Werten in dieser Größenordnung zu tun. „Wird schon passen“ denkt man – und zack landet der Zettel im Ordner „Altersvorsorge“.

Leider sagen diese Standmitteilungen in vielen Fällen nichts über die eigentliche Performance aus.

Warum? Die vorher genannten Prozentzahlen zur Wertentwicklung beziehen sich immer nur auf das INVESTIERTE Kapital. Das ist der Teil der eigenen Beiträge, der nach Abzug aller Kosten zum Investieren übrig bleibt. Einfach und überspitzt gesagt: Ich zahle 100 Euro Beitrag, 50 Euro gehen für Kosten drauf, nur die verbleibenden 50 Euro werden investiert. Mache ich darauf – sagen wir – binnen einem Jahr 10% Wertzuwachs, dann lande ich bei 55 Euro. Toll!! Aus 100 habe ich 55 Euro gemacht. Knaller-Anlage! Kosten der eigentlichen Geldanlage (z.B. Fondsgebühren) werden oftmals noch on top abgezogen.

Ein nicht unerheblicher Teil der Beiträge für Lebensversicherungen geht also für Kosten drauf. Dabei wollen alle kräftig mitverdienen. Die Versicherung selbst möchte einen Teil vom Kuchen abhaben. Der Vertriebler, der einem die Versicherung verkauft hat, zieht sich seine Provision. Vor allem in den ersten Jahren ist die Kostenbelastung bei den meisten Angeboten immens. Oftmals benötigt man zehn Jahre und mehr, bevor man selbst mit der Versicherung überhaupt ins Plus rutscht.

Und dabei sind vor allem die ersten Jahre aufgrund des Zinseszins-Effektes enorm wichtig, um nach hinten raus gut zu verdienen.

Das ist alles in Ordnung. So funktioniert schließlich Wirtschaft. Jeder möchte ein möglichst großes Stück vom Kuchen abhaben. Dass es so verschleiert wird, das ist nicht in Ordnung.

Klar ist, dass die Versicherung Kosten hat. Und nicht alles, was an Kosten abgezogen wird, ist sozusagen verloren. Einigen Kosten steht eine handfeste Leistung gegenüber, die man nicht so ohne Weiteres mit einer Alternativanlage vergleichen kann. Z.B. der sogenannte Todesfallschutz, also die Tatsache, dass die eigenen Angehörigen einen ordentlichen Batzen Geld (mehr als das, was bis dahin eingezahlt wurde) bekommen, wenn man frühzeitig stirbt.

Kosten dafür sind also – grundsätzlich – zu vertreten. Allerdings gibt es aus meiner Sicht keinen plausiblen Grund dafür, Altersvorsorge, Todesfallschutz und oft auch noch eine Berufsunfähigkeitsversicherung in einen Vertrag zu gießen. Der einzige Profiteur: Der Versicherungskonzern! Durch das Bündeln verschiedener Produktkomponenten wird das ganze Konstrukt richtig schön unübersichtlich. Der Kunde ist damit schon gar nicht in der Lage zu beurteilen, ob seine Anstrengungen für die eigene Altersvorsorge was bringen oder nicht.

Versicherungs-Komponenten, die nichts miteinander zu tun haben, sollten aus meiner Sicht immer ganz klar getrennt werden. Nur so ist ein objektiver Vergleich mit anderen Produktanbietern möglich.

Und nur nebenbei: Ein Todesfallschutz macht nur Sinn, wenn man tatsächlich jemanden zu versorgen hat. Wozu braucht ein Zwanzigjähriger, bei dem – gerade in der heutigen Zeit – noch gar nicht klar ist, ob er jemals familiäre Verpflichtungen eingeht, einen Todesfallschutz? Macht aber nichts, verkauft sich gut. Und geht zu Lasten der Rendite.

Entscheidend sind also nicht die großen Euro-Beträge, die auf den jährlichen Standmitteilungen stehen. Entscheidend ist vor allem die Rendite. Also was stopfe ich über all die Jahre in die Versicherung rein? Was kommt am Ende bei rum? Und wie ist die genaue Performance dazwischen?

Es gab in den letzten Jahren ein paar kleine Transparenz-Offensiven in der Versicherungswirtschaft. Einige Institutionen sind besser als andere. Das Grundübel liegt aber wohl eher im Produkt: Wenn es gut wäre, gäbe es auch nichts zu verstecken! 😉

 

Rendite_Lebensversicherung

 

Overconfidence – Oder auch die Hybris des modernen Mannes

Seien wir mal ehrlich. Wem vertrauen wir grundsätzlich am meisten? Richtig, uns selbst! Das ist recht naheliegend und auch eine sehr menschliche Eigenschaft – schließlich sind wir niemandem näher als uns selbst. Das allerdings hat seine Tücken.

Diese Nähe kann dafür verantwortlich sein, dass wir unsere eigenen Fähigkeiten überschätzen. Falsche Einschätzungen von Situationen oder auch Entscheidungen können die Folge sein. In der akademischen Welt nennt man diese Beobachtung schlicht Overconfidence-Phänomen, zu Deutsch – Überselbstbewusstsein, zu griechisch – Hybris.

In schwierigen Situationen nehmen wir das Ruder selbst in die Hand. Das führt häufig zu suboptimalen Ergebnissen.

Zahlreiche Studien deuten darauf hin, dass insbesondere wir Männer dazu neigen, unsere Fähigkeiten zu über- und Risiken zu unterschätzen. Auch zeigen diese Studien, dass wir gerne mal unseren Einfluss auf ein bestimmtes Ergebnis überschätzen.

Ein Beispiel: Gerade wenn es schwierig wird, tendieren Manager großer Unternehmen dazu, weniger zu delegieren und stärker auf sich selbst zu bauen. In Krisensituationen ist die eine – vermeintlich richtige Lösung – schnell gefunden. Wichtige Entscheidungen werden dann praktisch im Alleingang getroffen – häufig mit dem Ergebnis, dass der Schuss nach hinten losgeht.

So konnte zum Beispiel beobachtet werden, dass Unternehmensübernahmen, welche von überselbstbewussten Managern durchgeführt wurden, im Mittel keinen Wert geschaffen, sondern tatsächlich Wert vernichtet haben (im Sinne des Marktmantras des sogenannten „Shareholder Value“ – also des Unternehmenswertes).

Auch bei Finanzanlagen überschätzen viele die eigenen Fähigkeiten.

Schaut man sich dieses Phänomen mal in Bezug auf Finanzanlagen an, stellt man fest, dass manche Anleger dazu neigen, zu viel zu handeln. Wie ist das gemeint? In einer großen Studie für den amerikanischen Markt konnte beobachtet werden, dass insbesondere jene Anleger mehr handeln, die Depots bei Direktbanken besitzen. Direktbanken bieten weniger Beratungsdienstleistung an als die klassische Filialbank. Der typische Kunde einer Direktbank ist demnach der bereits „informierte“ Kunde – oder der, der es glaubt zu sein. Was passiert? In dem Irrglauben, Informationsvorteile zu haben oder schlichtweg ein besserer Anleger zu sein, handeln diese Kunden deutlich mehr (öfter) als die klassischen Filialbankkunden. Unterm Strich erzielen sie jedoch keine besseren Ergebnisse.

„Besser als der Markt sein“ ist der Anspruch – die Wirklichkeit sieht häufig anders aus.

Auch große Vermögensverwalter, Fonds und andere in der Vermögensanlage tätige Institutionen und Personen werden daran gemessen, inwiefern sie in der Lage sind, „den Markt zu schlagen“ – das heißt also ein Portfolio zusammenzustellen, welches eine bessere Performance erwirtschaftet als eine „Benchmark“. Den Markt schlagen kann jedoch nur, wer einen Informationsvorsprung hat. Diesen zu erlangen ist in der heutigen Zeit nahezu unmöglich. Durch die weltweite Vernetzung und den Einsatz von computerbasierten Algorithmen haben Informationen eine Schnelligkeit erreicht, bei der auch große Institutionen mit ihren aktiven Anlageentscheidungen kaum hinterher kommen. Mit anderen Worten: Ist eine relevante Information einmal raus, ist sie im gleichen Moment auch in den Kursen eingepreist. Das Ergebnis: Den wenigsten der oben genannten großen Player gelingt es langfristig, „den Markt zu schlagen.“

 

Was können wir nun aus all dem lernen?

 

  • Die Überschätzung der eigenen Fähigkeiten führt häufig dazu, dass wir Fehler machen, die wir uns eigentlich hätten ersparen können.
  • Ein gesundes Selbstbewusstsein in finanziellen Fragestellungen ist gut und wichtig – sollte uns aber nicht dazu verleiten zu denken, dass wir mit unseren individuellen Anlageentscheidungen langfristig erfolgreicher sind als die Benchmark/der Markt.
  • Auch die Profis – also die großen Player, die große Anlagevermögen managen – schneiden meist nicht besser ab als die Benchmark/der Markt.
  • Es gibt immer wieder Ausnahmen, die uns zeigen, dass enorme Renditen in der Geldanlage möglich sind. Das jedoch hat viel mit Zufall zu tun und liegt oft nicht an besonders herausragenden Fähigkeiten.
  • Gerade bei wenig Erfahrung mit der Anlage auf dem Aktienmarkt kann Overconfidence zu enttäuschenden Ergebnissen führen. Daher kann als Einsteiger ein Investment in einen Index (via z.B. Indexfonds oder ETF) sinnvoll sein, um an der Entwicklung des Kapitalmarktes zu partizipieren.
  • Sapere aude – Wage es, weise zu sein, aber hinterfrage Dich immer – dann wirst Du auch Erfolg haben. ☺

 

Über den Autor:

Moritz Stolp steht am Ende seines BWL-Studiums. Zur Zeit schreibt er an seiner Masterarbeit, welche sich mit dem Einfluss ökologischer Nachhaltigkeit auf Innovationen und finanzielle Performance in Unternehmen beschäftigt. Seine Leidenschaft ist die psychologische und philosophische Betrachtung von Wirtschaftsthemen – und das Schreiben! Was könnte es Besseres geben als beides hier zu kombinieren: In Zukunft wird er auf diesem Blog immer mal wieder verhaltenswissenschaftliche Phänomene der Wirtschafts- und Finanzwelt beleuchten und so ein paar „Mythen“ des Marktes entmystifizieren. 

Moritz_Stolp

 

Die böse Börse

Wir Deutschen behandeln Aktien stiefmütterlich. Wir ignorieren deren langfristigen Erfolgsaussichten, weil wir das Auf und Ab nicht aushalten können. Das ist schade!

Nur ein kleiner Teil der deutschen Bevölkerung besitzt Aktien. Viele von uns denken bei dem Wort „Aktie“ an wilde Spekulationen. Nicht Wenigen sitzt noch mindestens einer der beiden großen Börsencrashs des letzten Jahrzehnts in den Knochen. Vor allem im Jahr 2000 sind Aktien erstmals für die breite Masse salonfähig geworden. Kein Stammtisch, an dem es nicht um die neuesten Börsengänge von irgendwelchen Internet-Buden ging – keine Uni-Mensa, in der nicht die vermeintlich heißesten Börsen-Tipps hin- und her geschoben wurden.

Damals sind viele Kleinanleger – ich gehörte übrigens auch dazu – auf den Zug aufgesprungen und haben sich von der Aussicht auf schnelle Gewinne locken lassen. Leider kam es anders.

Im Verlauf des Jahres 2000 hat es mal so richtig gerumst. Die Kurse sind in den Keller gerauscht. Viele konnten das nicht aushalten und haben sich irgendwann von ihren Aktien mit Verlust getrennt – mit der Angst im Nacken, dass es noch viel schlimmer kommen könnte.

Ich habe mich damals für die Halten-Variante entschieden. Und so hatte ich noch lange den Wert, mit dem ich damals einen großen Teil meines spärlichen Vermögens vernichtet habe, als Cent-Wert in meinem Depot stehen – sozusagen als Mahnmal. So etwas sollte mir nie wieder passieren!

Wer den Crash im Jahr 2000 nicht mitgemacht hat, den hat es dann mit großer Wahrscheinlichkeit spätestens im Jahr 2008 erwischt, beim zweiten großen Crash des vergangenen Jahrzehnts.

Das Fatale an diesen schlechten Börsen-Erfahrungen ist, dass seitdem ein Großteil von uns Deutschen die Aktie als Anlagealternative komplett ausblendet.

Psychologen haben mal untersucht, warum das so ist. Sie haben dabei festgestellt, dass sich ein Anleger mehr über einen Verlust von 1000 Euro ärgert als er sich über einen Gewinn von 1000 Euro freut. Die schlechten Erfahrungen bleiben uns also verstärkt im Gedächtnis. Wir sehen dann nur noch die Risiken einer Anlage. Die Chancen blenden wir kategorisch aus.

Die Folge: Unser Geld vergammelt – bei den aktuellen Minizinsen – auf dem Tagesgeldkonto oder steckt in unrentablen Anlageprodukten wie z.B. Lebensversicherungen. Bloß nichts riskieren!

Ich habe wieder „was riskiert“ und vor gut zehn Jahren angefangen, mich auf solide Art und Weise mit dem Thema zu beschäftigen.

Mittlerweile bin ich der festen Überzeugung, dass eine Anlage in Aktien eine der solidesten und sichersten Formen ist, sein Geld zu vermehren. Warum? …..

 

…… EIN PLÄDOYER FÜR AKTIEN IN 7 AKTEN:

1.) Breit gestreute Aktien erwirtschaften langfristig hohe Renditen

Eine Anlage in Aktien muss IMMER langfristig betrachtet werden. Das Auf und Ab, was zwischendurch unseren Puls in die Höhe treiben lässt, muss kategorisch ausgeblendet werden. Der Erfolg kommt dann auf lange Sicht von ganz alleine.

Auch wenn man von der Geschichte natürlich nie zu hundert Prozent auf die Zukunft schließen kann: Die Vergangenheit zeigt, dass breit gestreute Aktien – langfristig betrachtet – Renditen zwischen 7 und 8 Prozent bringen. Der DAX z.B. – der Deutsche Aktienindex – hätte seit seiner Geburtsstunde 1988 bis Ende letzten Jahren durchschnittlich 8% pro Jahr für einen eingefahren – trotz einiger Auf und Abs.

Hätte man übrigens im Jahr 2000 – also zu Beginn des oben beschriebenen Horrorjahrzehnts – Aktien der DAX-Unternehmen gekauft, hätte man bis Ende letzten Jahres immerhin noch 3,1% pro Jahr gemacht. Auch nicht schlecht – dafür dass es zwischendurch drunter und drüber ging.

2.) Mit Aktien besitzt man fassbare Werte

Kauft man eine Aktie, gehört einem ein Anteil an einem Unternehmen. Dieses Unternehmen hat nicht nur ein volles Lager und Maschinen für die Herstellung der Produkte. Es gehört auch eine Produktionshalle und ein kleines Bürogebäude dazu. Mit der Aktie gehört einem also jeweils ein kleiner Teil von allem.

Wir Deutschen lieben fassbare Werte – nicht umsonst kaufen zur Zeit alle wie wild geworden Immobilien. Und sie tun dies auch, obwohl die Investition teilweise völlig überteuert und damit unrentabel ist. Dabei gibt es mit Aktien eine handfeste Alternative. Denn: Auch als Aktionär – das ist nur leider den Wenigsten klar– gehört uns ein Teil der oben beschriebenen fassbaren Werte.

3.) Aktien bieten einen gewissen Inflationsschutz

Steigt das Preis-Niveau, sind Unternehmen mit guten und begehrten Produkten in der Lage, ihre Preise anzupassen. Das erhöht die Einnahmen und damit den Börsenkurs. Eine moderate Inflationsrate wird also ausgeglichen.

4.) Schutz bei Bankenpleiten

Im Falle einer Bankenpleite werden Aktien als Sondervermögen betrachtet und bleiben immer im Besitz des Aktionärs. Man kann somit nie enteignet werden – ganz im Gegensatz zu den Bar- und Festgeld-Bankkonten, die in Deutschland oftmals nur bis zu einem Betrag von 100.000 Euro über den Einlagensicherungsfond gesichert sind.

5.) Schutz durch die – bzw. besser – vor der Politik 😉

Als Aktionär ist man – wie schon gesagt – Teilhaber am Betriebsvermögen eines Unternehmens. An dieses Vermögen traut sich der Staat – wenn es um die Erhöhung der Steuern- und Abgabenlast geht – nur ungerne heran, da im Regelfall Arbeitsplätze dran hängen. Arbeitsplätze sind Wählerstimmen und damit heilig.

6.) Alle haben ein Ziel vor Augen: Geld verdienen!

Wirtschaftsunternehmen und deren Eigentümer bzw. Lenker haben ein ureigenes Interesse, noch erfolgreicher zu sein und noch mehr Geld zu verdienen. Um dieses Ziel zu erreichen, treiben sie neue Innovationen voran, bringen neue Produkte auf den Markt und stellen sich effizient auf.

7.) Über ein Aktieninvestment leistet man einen gesellschaftlichen Beitrag

Wer jetzt beim vorherigen Absatz gedacht hat „Jaja, eben! Kapitalisten-Schweine! Wollen sich alle nur die Taschen voll hauen!“ – dem möchte ich Folgendes entgegen setzen: Wer in solide Unternehmen investiert, sorgt so dafür, dass diese in der Lage sind zu expandieren und neue Produkte auf den Markt zu bringen – schlicht: Gewinne zu machen.

Dadurch werden Arbeitsplätze nicht nur gesichert, sondern in vielen Fällen auch neu geschaffen. Arbeitnehmer wie auch Unternehmen selbst zahlen Steuern. Von diesen Steuern wird vor allem in Deutschland verdammt viel bezahlt, wovon die Allgemeinheit in hohem Maße profitiert.

Und nicht nur in Deutschland wird investiert: Gerade deutsche Unternehmen sorgen durch Produktionsverlagerungen z.B. in die Schwellenländer dafür, dass auch dort Arbeitsplätze entstehen. Sie sorgen so dafür, dass es zumindest einem Teil der einheimischen Bevölkerung besser geht als je zuvor. Sicher, es gibt schwarze Schafe unter den Unternehmen – diese sind jedoch nicht der Normalfall.

 

Überzeugt? Falls ja – zum Schluss noch etwas Eigenwerbung: Auf ANYONECAN.DE gibt’s ein einfaches Rezept, um als Laie die ersten Schritte mit Aktien zu machen.

 

Was die VW-Abgas-Affäre mit einer wichtigen Börsenregel zu tun hat

Genial! Die Digitalisierung ist in der deutschen Autoindustrie angekommen!

Ich weiß gar nicht, was immer alle haben. Immer heißt es: „Unsere heimische Autoindustrie muss sich angesichts der neuen Konkurrenz von Tesla, Google & Co. warm anziehen.“ Immer wieder steht die Warnung im Raum: „Wenn die deutsche Industrie nicht Gas gibt mit der Digitalisierung, werden wir ganz schnell ins Hintertreffen geraten.“

Dabei sind deutsche Autobauer doch ganz vorne mit dabei! Gerade haben es Ingenieure von Volkswagen geschafft, eine hochkomplexe Software zu bauen. Einfach gesagt: Diese Software merkt, ob es der Eigentümer des Autos oder der TÜV-Prüfer ist, der gerade am Steuer sitzt. Sie regelt dann dementsprechend den Gestank runter. Die Abgaswerte werden gemäß der Richtlinien eingehalten. Ist doch Wahnsinn, was die Digitalisierung bringen kann! So wird NUR durch ein paar Zeilen Code aus einem Diesel ein Clean-Diesel!

Spaß beiseite! Das Ganze stinkt im wahrsten Sinne des Wortes zum Himmel. Volkswagen hat mal so richtig Schei…. gebaut! Die Schuldigen sind noch nicht ausgemacht, der Schaden ist da. Als erstes merken so etwas immer die Aktionäre. Die Börse reagiert sofort. Gestern hat die VW-Aktie auf einen Schlag über 20 Prozent verloren. Heute sieht es ähnlich aus. Milliarden an Börsenwert wurden binnen weniger Stunden vernichtet. Hohe Strafzahlungen drohen. Ganz zu schweigen vom langfristigen Image-Schaden. Die einstige deutsche Vorzeigefirma wird lange brauchen und viel Geld investieren müssen, um das wieder wettzumachen.

Was die VW-Aktionäre betrifft: Wohl dem, der eine der wichtigsten, wenn nicht sogar DIE wichtigste Börsenregel strikt beachtet hat:

Niemals alle Eier in einen Korb legen! Mit anderen Worten: Bei Investments in Aktien immer breit streuen.

Volkswagen ist hierfür ein Beispiel wie aus dem Lehrbuch: Vermeintlich eine grundsolide Firma mit qualitativ hochwertigen Produkten. Sicher, ein Auto von Volkswagen ist vielleicht nicht immer das absolute Objekt der Begierde, aber es sind auf gar keinen Fall Autos, die man kategorisch bei der Kaufentscheidung ausschließt. Die Firma selbst hat eine breite Produktpalette, ist innovativ (hüstel) und international gut aufgestellt. Eine Firma also, in die es sich lohnt zu investieren.

Und was ist? Ein paar Verantwortliche haben erstens einen großen Fehler gemacht und zweitens die Spitzfindigkeit ausländischer Behörden unterschätzt. Das so etwas passiert, kann man als Aktionär niemals voraussehen. Es ist halt einfach Pech.

Was also konkret tun? Ist man Fan der Automobilindustrie und der Meinung, dass die Branche insgesamt gute Aussichten hat, kauft man einfach einen sogenannten Indexfonds auf diese Branche.

Dieser Indexfonds bündelt dann viele Unternehmen unter einem Dach. Die Abhängigkeit von nur einem Unternehmen wird verringert.

 

Ein Indexfonds ist ein super Anlagevehikel, denn er bringt einige Vorteile mit sich:

  • Die Möglichkeit, Aktien zu kaufen, ohne sich mit Einzeltiteln zu beschäftigen
  • Eine automatische breite Streuung über viele Titel (das Risiko wird so minimiert)
  • Weil der Indexfonds einfach den zugrundeliegenden Index nachbildet, benötigt man keine teuren Fondsmanager (d.h. die jährlichen Verwaltungskosten sind sehr günstig – keiner verdient mit)
  • Weil börsengehandelt, sind sie jederzeit günstig zu kaufen und verkaufen

 

Ich persönlich übrigens würde für den Automobilsektor diesen Indexfonds kaufen (ACHTUNG: Das ist KEINE Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes!!):

ISHARES STOXX EUROPE 600 AUTOMOBILES & PARTS (WKN: A0Q4R2)

Das ist ein Index, der die 600 größten europäischen Automobil- und entsprechenden Zuliefererfirmen abbildet. Damit ist man breit aufgestellt. Der Volkswagen-Schock von gestern kann einem dann erst einmal egal sein, und man ist dabei, wenn irgendwann die Früchte der Digitalisierung auch in der Automobilindustrie zu ernten sind – also der richtigen Digitalisierung und nicht der, die zum Himmel stinkt! 😉

 

 

Börsencrash in China! Ja und?

Letzte Woche ist ANYONECAN.DE live gegangen. Mitten rein in eine der schwärzesten Börsenwochen seit langem. Prompt bin ich von einigen Leuten gefragt worden, was man denn nun machen sollte. Meine Antwort: „Ruhe bewahren!“

In den letzten ein, zwei Wochen hat es mal so richtig gekracht. Schlechte Nachrichten über Chinas Wirtschaft bzw. Aktienmärkte haben dafür gesorgt, dass die Kurse weltweit nach unten gesaust sind.

KEINER weiß – auch nicht die besten Experten –, in welche Richtung sich das Ganze weiterentwickelt.

Es sind immer nur Vermutungen. Ich persönlich glaube zum Beispiel (und erste Anzeichen sprechen dafür), dass dies nur eine handfeste Korrektur war. Ich glaube nicht an einen Crash. Die schlechten Nachrichten wurden von den Aktionären überwertet – und daher hat es jetzt mal ordentlich gerumst. Aber wie gesagt: Glauben ist nicht wissen! Es kann sein, dass es in wenigen Tagen schon wieder ganz anders aussieht.

Warum ich dem normalen Privatanleger dazu rate, Ruhe zu bewahren, möchte ich kurz erklären:
In Aktien sollte man sein Geld anlegen, wenn man einen mittel- bis langfristigen Anlagehorizont hat (und das sind aus meiner Sicht mindestens 8-10 Jahre). Von den zwischenzeitlichen Schwankungen sollte man sich als Privatanleger unbeeindruckt zeigen.

Das Schlimmste, was einem passieren kann, ist das, was die beiden rot markierten Zahlen auf dem Bild dieses Blog-Beitrages zeigen – und was übrigens ein typischer Anlegerfehler ist.

Aber fangen wir von vorne an! Die Geschichte zu dem Bild geht wie folgt:

China_712x268_jpg

Die Kurse steigen eine ganze Weile halbwegs konstant nach oben (1). Was macht der Anleger? Er wähnt sich sicher und glaubt, dass es eigentlich nur noch einen Weg gibt: nämlich nach oben.

Irgendwann ist der Zeitpunkt, an welchem etwas Unvorhergesehenes eintritt: Eine ordentliche Korrektur bzw. vielleicht auch ein Crash ist die Folge (2) – und Korrekturen bzw. Crashs kommen übrigens IMMER unvorhergesehen. Wenn dies nicht so wäre, würden die Kurse nicht binnen kürzester Zeit so stark absacken.

Der Anleger denkt zunächst die ersten paar Tage bzw. wenigen Wochen: „Wird schon wieder vorübergehen“ (3).

Nach einigen Wochen verliert er dann aber doch die Nerven und verkauft – der Kurs ist jetzt schon relativ weit unten (4).

Genauso reagieren auch andere. Sie verkaufen – und das drückt die Kurse weiter nach unten. Danach fühlt sich unser Anleger noch ein paar weitere Wochen bestätigt: „Siehste, wusste ich es doch! Zum Glück bin ich ausgestiegen“ (5). Weil er seine Entscheidung natürlich – vor allem vor sich selbst – bestätigen möchte, ist für ihn glasklar, dass scheinbare Erholungen nur vorübergehender Natur sein können. „Das alles ist erst der Anfang vom großen Crash – und wenn es dann ganz unten ist, dann steige ich wieder groß ein“, sagt er sich (6).

China_712x268_jpg

Das Problem: Der Markt will nicht so wie er will. Es war tatsächlich nur eine Korrektur. Nach einigen Wochen oder vielleicht wenigen Monaten entwickelt sich alles schon wieder ganz gut (7). Der Anleger aber hält sich zu lange an seiner Meinung fest – schließlich will er diese ja immer noch bestätigt wissen.

Da der Kurs aber nicht weiter abstürzt, sondern eher wieder Richtung Himmel schießt, kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem er seine Meinung revidiert. Er kann eigentlich gar nicht anders. Alle Anzeichen sprechen für eine Börsenrally. Was macht unser Anleger? Er steigt hektisch wieder ein (8). Dann jedoch zu einem höheren Kurs als der, zu dem er vorher verkauft hat (4). Unterm Strich hat er Geld in den Sand gesetzt. Er hätte schlicht und einfach dabei bleiben sollen.

Eines sollte man sich immer vor Augen führen: Man erwischt nie den optimalen Zeitpunkt eines Ein- bzw. Ausstieges in bzw. aus dem Aktienmarkt.

Ein optimales Timing für den Kauf oder Verkauf von Aktien gelingt auch den meisten Experten nicht. Und wenn, dann ist es meist reine Glücksache.

 

FAZIT:

 

  • Ist man schon mit einem Aktien-Portfolio am Start, dann gilt die erste Regel: Ruhe bewahren (aus den genannten Gründen). Hat man noch Geld rumliegen, welches man für ein paar Jahre entbehren kann, sind Korrekturen eine gute Gelegenheit, günstig nachzukaufen.
  • Investiert man z.B. monatlich 200 Euro in einen Aktien-Sparplan, dann gilt um so mehr die Regel: Ruhe bewahren und sich freuen, dass man in schlechten Zeiten für diese 200 Euro mehr Aktien kaufen kann (weil günstiger).
  • Ist man noch gar nicht am Aktienmarkt involviert, dann eignen sich Korrekturen für einen stückweisen Einstieg. Danach gilt auch hier: Ruhe bewahren! Nicht alles auf einmal investieren. Es könnte weiter bergab gehen – dann freut man sich, wenn noch nicht „das gesamte Pulver verschossen ist“ und man weiter unten günstig nachkaufen kann. Geht es nach oben, freut man sich auch. Und was sollte man dann tun? Richtig – Ruhe bewahren und auf die nächste Korrektur warten, um dann mit einem weiteren Teil einzusteigen.

Aktienmärkte schwanken nun mal. Das muss man aushalten können. Langfristig betrachtet bringen breit gestreute Aktien Renditen zwischen 7 und 8 Prozent. Der DAX z.B. – der Deutsche Aktienindex – hätte seit seiner Geburtsstunde 1988 bis Ende letzten Jahren durchschnittlich 8% pro Jahr für einen eingefahren. Und das, obwohl wir in den Jahren 2000 und 2008 extreme Börsencrashs hatten und zwischendurch noch die ein oder andere kleinere oder größer Korrektur.

Die wichtigste Regel also, um langfristig erfolgreich zu sein: Ruhe bewahren!

 

Startschuss für ANYONECAN.DE: Es geht los!

Es ist August, mitten in den Sommerferien: Es könnte sein, dass es kaum einen schlechteren Zeitpunkt für den Launch eines Projektes gibt, bei dem es um persönliche Finanzen geht! Aber: Es ist mir egal! 😉

ANYONECAN.DE ist seit gestern nicht mehr nur eine Startseite mit angeschlossenem Blog, sondern eine richtige Website. Und ich freue mich!!

Ich freue mich, weil es das Ergebnis von einem ganzen Jahr Arbeit ist. Denn schon letztes Jahr habe ich meinen Job gekündigt, um mich in dieses Abenteuer zu stürzen.

Die Website – also das, was Du als erstes siehst – ist nur ein kleiner Teil des Gesamtprojektes. Den größten Teil der Zeit hat das Zusammenstellen und Validieren der Inhalte beansprucht. Denn das, was Du ab sofort nutzen kannst, ist in erster Linie mal ein Bildungsangebot. Und das sollte nicht nur ansprechend dargestellt sein, sondern vor allem Hand und Fuß haben.

Das vergangene Jahr ist an mir vorbeigerast. Motiviert hat mich tagtäglich von neuem die Vision, die hinter diesem gesamten Projekt steckt:

Ich möchte gerne, dass Du fit wirst, wenn es um das Thema persönliche Finanzen geht!

Du sollst in der Lage sein, Deine Geldanlage und Altersvorsorge selbst in die Hand zu nehmen – und zwar unabhängig von Bank- und Versicherungsberatern.

Damit Du das schaffst, findest Du ab sofort auf ANYONECAN.DE meine Bildungsoffensive – bestehend aus zwei Tutorials, einem E-Book und noch einiges an interessanten Inhalten. Schau es Dir in Ruhe an!

Nichts ist motivierender als ein konkretes Feedback. Darüber würde ich mich sehr freuen – egal ob positiv oder negativ (oder sagen wir lieber: konstruktiv ;-))!

Und – zu guter Letzt: Unterm Strich hat es länger gedauert als ich gedacht habe, an diesen Punkt zu kommen. Dass dieser Moment ausgerechnet in die Sommerferien fällt, war natürlich nicht geplant. Jetzt ist es aber nun mal so – und daher geht’s jetzt auch los.

Viel Spaß!

 

Liebe Banken! Vorsicht! Freilaufender Kunde!

Das Geschäftsmodell der klassischen Bankberatung ist endlich. Vor allem junge Kunden nehmen ihre Geldanlage selbst in die Hand.

Mein Bankberater ruft mich nicht mehr an. Ich weiß nicht mal mehr wie er heißt. Das könnte daran liegen, dass ich vielleicht irgendwann einmal geäußert habe, dass ich nicht mehr angerufen werden möchte. Vielleicht bin ich aber auch einfach ein zu kleiner Fisch. Ich habe bei meiner Hauptbank zwar ein bisschen was rumliegen – aber:

Das ist ja das Schöne an Geld bzw. Vermögen: Seine Höhe ist immer relativ!

Es könnte aber auch daran liegen, dass er sich mein Anlageverhalten angeschaut hat. Dann sieht er, dass ich mich in regelmäßigen Abständen um mein kleines Aktien-Depot kümmere (mein Hobby). Außerdem sollte ihm auffallen, dass jeden Monat die automatischen Abbuchungen für meine Aktien-Sparpläne ausgeführt werden (meine Altersvorsorge).

Ich bespare sogenannte ETFs – Exchange Traded Funds oder auch börsengehandelte Indexfonds genannt. Die Sparpläne hierfür habe ich bei Direktbanken angelegt, die für mich die monatliche Anlage im besten Fall kostenlos – im schlechtesten Fall kostengünstig – automatisch übernehmen.

Mit diesem Anlageverhalten passe ich schlicht und einfach nicht mehr zu der Zielgruppe, für welche die klassische Bank Produkte im Angebot hat und deren aktive Bearbeitung ordentlich Marge bzw. für den Vertrieb auskömmliche Provisionen abwirft.

Damit bin ich nicht allein. Eine Umfrage der FOM Hochschule unter 650 jungen, gut ausgebildeten Berufseinsteigern zwischen 18 und 35 Jahren hat ergeben, dass bereits 60 Prozent ihre Anlageentscheidung ohne professionelle Beratung treffen.

Eigentlich fatal für das Geschäftsmodell Bank – zumindest das Bisherige: Denn für die Banker sind wir eine hochinteressante Zielgruppe. Die Studie der FOM Hochschule hat ergeben, dass knapp die Hälfte der Befragten zwischen 100 und 500 Euro zur Seite legt, ein gutes Drittel sogar mehr als 500 Euro – monatlich!

Auch sind wir es, die noch 30 bis 40 Jahre mit etwas Glück ganz gutes Geld verdienen. Und – Stichwort „Erbengeneration“: Nicht wenige kommen im Laufe ihres Lebens in den Genuss, teilweise nicht unerhebliche Beträge von Oma und Opa, Mama und Papa oder der reichen Großtante zu erben. Mit anderen Worten: da ist richtig Potenzial!

Wir möchten also selbständig und unabhängig agieren. Dafür möchten wir ehrliche und transparente Produkte. Produkte, an denen nicht noch zig Beteiligte mitverdienen.

Auch könnten wir eine sehr pflegeleichte Zielgruppe sein. Denn auf Einzelberatung und Hofieren in der Filiale legen wir keinen Wert. Wir brauchen keine persönliche Beziehung zu unserem Banker, aber ein kompetentes Call-Center bzw. Online-Support.

Und trotzdem ist es uns wichtiger denn je, dass wir uns mit der Bank selbst identifizieren können. Und das geschieht heute nicht mehr über kostspielige Incentive-Veranstaltungen, sondern durch gelebtes Vertrauen. Und gelebtes Vertrauen entsteht durch Transparenz, klare Sprache und eine reine Weste.

Wie konnte es überhaupt so weit kommen, dass sich im Moment – gefühlt – die Hälfte der Berichterstattung über Banken nur um Gerichtsprozesse und deren Aufarbeitung dreht?

Ganz interessant übrigens auch: eine Studie der Unternehmensberatung Investors Marketing hat ergeben, dass nur noch 35 Prozent der deutschen Kunden ihrem Bankberater trauen. Die Banken allerdings glauben, es seien 77 Prozent! 😉

Einige Banken haben es schon läuten gehört – auch unter Druck gesetzt durch zahlreiche Startups, die in ihr Kompetenzgebiet vordringen. Teilweise gib es zaghafte Versuche einer Neupositionierung. Aber Vorsicht: Wir merken, wenn es nur Fassade ist!

Unser Vertrauen in Banken ist derartig erschüttert, dass es mehr braucht als reine Marketing-Kampagnen mit radelnden Kundenberaterinnen.

Liebe Banken! Bitte macht Euer Angebot transparent, einfach und kundenorientiert!

 

Leute, kauft Aktien! Dieser und zwei weitere Tipps, damit aus Deinem Geld was wird

Wir Deutschen sind gut im Sparen. Erfolgreich Sparen heißt aber nicht nur Konsumverzicht, sondern vor allem: sein Geld gut anlegen. Macht doch auch mehr Spaß, oder?

Schaut man sich das durchschnittliche Pro-Kopf-Geldvermögen von uns Deutschen an, landen wir im Ländervergleich auf einem abgeschlagenen Platz, weit hinter Amerikanern und Schweizern zum Beispiel. Einerseits hat das historische Gründe, schließlich haben wir mindestens zweimal im vergangenen Jahrhundert großen Mist gebaut. Die beiden Weltkriege hatten unter anderem – wenn auch sicherlich als kleineres Übel – fatale Konsequenzen für unser Geldvermögen.

Andererseits ist es leider so, dass wir rentable Geldanlagen schlichtweg meiden. Nur ein sehr kleiner Teil unseres Geldvermögens ist in Aktien angelegt, ein großer Teil hingegen liegt z.B. in Form von Lebensversicherungen bei Versicherungsgesellschaften. Der größte Teil vergammelt zu derzeit minimalen Zinsen auf der Bank.

Tipp Nr. 1: Aktien als Anlageform nicht ignorieren!

Fakt ist: Langfristig betrachtet ist eine breit gestreute Anlage in Aktien eine sehr rentable und gleichzeitig solide Anlageform. Schaut man zurück in die Geschichte, kann man eines feststellen: Wer in den vergangenen 100 Jahren Aktien von internationalen Unternehmen besessen hat, hat durchschnittlich pro Jahr zwischen 7 und 8 Prozent verdient und zudem Wirtschaftskrisen, Kriege und Währungsreformen – trotz vorübergehender Kurseinbrüche – unbeschadet überstanden.

Das ist schön, wirst Du jetzt sagen! Vielleicht gehörst Du aber gerade zu denjenigen, die sich vor gar nicht so langer Zeit unter Umständen gleich zweimal ordentlich die Finger verbrannt haben (Börsen-Crashs in 2000 und 2008). Oder Du hast schlicht und einfach mal aufs falsche Pferd gesetzt und Dich mit einem Einzelwert verspekuliert.

Auch ich habe mal so richtig daneben gegriffen: Vom Aktienfieber um die Jahrtausendwende gepackt, investierte ich damals in meinem jugendlichem Leichtsinn in was „ganz Feines“: Eine Firma, die mit Internet-Fernsehen den Markt erobern wollte. Einziges Problem: Die Leute machten damals gerade mal so ihre erste Schritte im Internet. Das Letzte, was sie brauchten, war Internet-Fernsehen. Punkt!

Ich habe diese Aktien noch jahrelang in meinem Depot stehen lassen – mit 99 Prozent Wertverlust. Es war über all die Jahre mein ganz persönliches „Aktien-Mahnmal“. So etwas sollte mir nie wieder passieren!

Trotz dieser schlechten Erfahrung bin ich dabei geblieben und befolge seitdem vor allem eine Regel:

Tipp Nr. 2: „Niemals alle Eier in einen Korb legen“, sondern breit über verschiedene Aktien-Titel streuen!

Das Risiko, dass sich ein Einzelwert ganz anders entwickelt als erwartet, ist immer gegeben. Man kann sich noch so intensiv damit beschäftigen. Auch Experten treffen hier übrigens teilweise fatale Fehlentscheidungen.

Oh Gott, noch mehr Arbeit und noch mehr Unternehmen anschauen, wirst Du jetzt vielleicht denken. Unter Umständen hast Du weder Zeit noch gesteigertes Interesse, Dich mit den Erfolgsaussichten einzelner Unternehmen auseinander zu setzen. Ich kann Dich beruhigen: Dafür gibt es die sogenannten börsengehandelten Indexfonds (oder auch ETF genannt). Wenn Du in einen solchen investierst, investierst Du automatisch in alle Unternehmen, die im betreffenden Index gelistet sind (z.B. auf einen Schlag in alle 30 DAX-Konzerne). Damit ist Dein Geld automatisch breit gestreut.

Indexfonds sind das perfekte Vehikel für alle diejenigen, die sich nicht groß mit dem Thema Börse und Aktien beschäftigen, aber trotzdem am langfristigen Erfolg von Unternehmen partizipieren wollen.

Das Schöne daran: Dein Banker oder Finanzberater guckt in die Röhre – an Indexfonds verdient er nämlich so gut wie gar nichts. Das könnte der Grund sein, warum sie Dir bis dato von diesem noch nie angeboten wurden.

In den ersten 26 Jahren seines Bestehens hätte der DAX übrigens durchschnittlich jährlich 8 Prozent Rendite für Dich eingefahren. Und das, obwohl sich das ein oder andere DAX-Unternehmen alles andere als gut entwickelt hat und zwischenzeitlich zwei heftige Crashs dabei waren. Zum Vergleich: Auf Deinem Tagesgeldkonto bekommst Du derzeit vielleicht 0,4 Prozent Zinsen pro Jahr – und das ist dann eher auch schon gut!

Und damit kommen wir zu einem weiteren Tipp:

Tipp Nr. 3: Ruhe bewahren und langfristig denken!

Geld verdient man nicht von heute auf morgen – auch nicht mit Aktien. Und wenn, dann ist es im Normalfall reine Glücksache. Eine Anlage in Aktien muss – will man solide vorsorgen bzw. anlegen – immer mittel- bis langfristig betrachtet werden. Kurzfristig können Aktienmärkte stark schwanken. Themen wie zum Beispiel das Desaster in Griechenland oder ein außer Kontrolle geratenes Atomkraftwerk in Japan können auch schon mal ordentlich Sand ins Getriebe bringen. Das muss man im Zweifel aussitzen können.

Dieser Blog und mein Bildungsangebot, dass Du hier bald finden wirst, dreht sich übrigens unter anderem rund um das Thema „Anlegen und Vorsorgen mit börsengehandelten Indexfonds (ETFs)“. Damit möchte ich Dich in die Lage versetzen, unabhängig von Bank- und Finanzberatern Deine Altersvorsorge und Geldanlage selbst in die Hand zu nehmen. Es würde mich freuen, wenn Du am Ball bleibst. Bald geht´s los!

 

Warum Riester & Co. für die Generation Y nichts taugen

Wer heute jung ist, der ist im Laufe seines Lebens mal angestellt, mal selbständig, mal im Sabbatical oder arbeitet irgendwo auf der Welt. Hoffentlich hat er keinen Riester-Vertrag in seinem Vorsorge-Portfolio!

Vielfältige Erwerbsbiographien sind völlig normal für die sogenannte Generation Y, die Generation der 1977-1998 Geborenen. Was so manch Älterem die existenziellen Sorgenfalten ins Gesicht treibt, sieht diese Generation als die große Chance an, ein erfülltes Leben zu leben. Dass das Geld dabei überhaupt keine Rolle spielt, ist schlichtweg falsch. Denn Sabbatical inklusive Weltreise will ja schließlich auch bezahlt werden. Allerdings geht es weniger um die reine Anhäufung von Statussymbolen als darum, sich gewisse Freiheiten zu ermöglichen.

Freiheit bedeutet für mich, nicht schon mit Mitte zwanzig Vorsorgeverträge mit 40-jähriger Laufzeit abzuschließen.

Ein ganz persönlicher Erfahrungsbericht:

Ich gehöre vom Alter her – glaubt man den Angaben bei Wikipedia – gerade eben noch so zur Generation Y. Auch wenn ich in dieser Gruppe schon eher den Senior darstelle: Mit den Wertvorstellungen – zumindest per Definition – kann ich mich größtenteils identifizieren. Auch ich möchte in meinem Leben etwas Sinnvolles machen. Auch mein Lebensziel ist nicht auf Teufel komm raus vom Ideal geprägt, 40 Jahre für ein und dasselbe Unternehmen zu arbeiten. Das sind nur zwei der Gründe dafür, dass ich sehr bald mein eigenes Projekt starte.

Bis hierher zu kommen war ein langer Weg. Schon letztes Jahr habe ich meinen festen Job gekündigt (mehr dazu hier) und mich in die Vorbereitungen für ANYONECAN.DE gestürzt. Mit der Gründung hat sich mein Status geändert. Ich bin jetzt nicht mehr angestellt beschäftigt, sondern selbständig und muss – bzw. darf glücklicherweise – alles, was mit der sozialen Absicherung zu tun hat, selbst in die Hand nehmen. Da gibt es viel zu bedenken, und auch für mich kommt da die ein oder andere Tretmine hoch.

Ich habe eine Altlast in meinem Vorsorge-Portfolio: einen Riester-Vertrag! Denkbar ungeeignet für mich als jetzt Selbständigen!

Aber von vorne: Den Riester-Vertrag habe ich mir vor gut acht Jahren mal andrehen lassen – zu einem Zeitpunkt, als ich gerade angefangen habe, mich näher mit diesen ganzen Themen zu beschäftigen. „Bedenken Sie den Steuervorteil und die staatliche Förderung“ – das war damals das Argument, was gezogen hat. Schließlich kann man die jährlichen Beiträge von der Steuer absetzen und bekommt on top noch ein paar Euro vom Staat dazu. Vorab sei schon mal gesagt:

Steuervorteil und staatliche Förderung sollten niemals die einzigen Argumente FÜR ein Vorsorgeprodukt sein.

Ein Vorsorgeprodukt sollte vor allem gute Renditen abwerfen. Wenn dann on top noch steuerlich was zu machen ist – ok!

Nun also zu meinem Fall: ich zahle seit gut acht Jahren in diesen Vertrag ein. Insgesamt habe ich bis Ende letzten Jahres schon 16.275 Euro einbezahlt. Angesammelt haben sich bis dahin allerdings gerade mal 14.827,13 Euro. Wie bitte? Meine Beiträge sollten ja eigentlich schon die ganzen Jahre gut angelegt sein und wiederum Erträge erwirtschaften. Schließlich haben sich die Kapitalmärkte gerade in den letzten Jahren gut entwickelt. Daran kann es also nicht liegen. Wo ist das ganze Geld dann hin?

In den ersten Jahren geht ein großer Teil der Beiträge vor allem für Provisionen drauf.

Der gesamt Vertriebsapparat der Versicherung hat also kräftig mitverdient – unter anderem der nette Finanzvertriebler, der sie mir mal verkauft hat (der ist übrigens tatsächlich ganz nett ;-)).
Ich würde schätzen, dass mein angehäuftes Kapital nochmal ca. zwei bis vier Jahre „arbeiten muss“ bis ich überhaupt auf den Wert komme, den ich bis dahin dann insgesamt eingezahlt habe. Dann sind – was die Rendite betrifft – die ersten 10-12 Jahre meines Vertrages verlorene Jahre. Gerade die ersten Jahre sind aber entscheidend für die langfristige Performance einer Anlage. Denn je früher man anfängt und je besser die Rendite in den ersten Jahren, desto höher der positive Effekt des Zinseszinses nach hinten raus.

Damit aber nicht genug! Nun ist es ja so, dass ich mich gerade selbständig mache. Als Selbständiger (zumindest als Single) kann ich nun meine Beiträge für meinen Riester-Vertrag NICHT mehr von der Steuer absetzen. Auch bekomme ich KEINE staatliche Förderung mehr – was immerhin auch 154 Euro pro Jahr ausgemacht hat.

Der große Vorteil also, den die steuerliche Absetzbarkeit und die staatliche Förderung für mich bringen sollten, ist dahin.

Ich könnte meinen Vertrag jetzt aussetzen, das angesammelte Kapital würde dann stehen bleiben und sich weiterhin nur mittelmäßig verzinsen. Obendrauf müsste ich noch eine jährliche Gebühr für die Stilllegung zahlen. Die dicken Provisionen an den Vertrieb – und die ja eigentlich für einen Vertrag von knapp 40 Jahren kalkuliert waren – die sind natürlich futsch.

Nun würde der geschäftstüchtige Finanzvertriebler in meinem Fall mit einem anderen Produkt um die Ecke kommen: der Rürup-Rente – praktisch das Pendant zu Riester – nur in diesem Fall für Selbständige. Alles – nur bitte nicht das!! Damit würde ich einen neuen Vertrag abschließen, wieder den Vertriebsapparat reich machen und hätte unter Umständen in wenigen Jahren noch so eine Leiche in meinem Vorsorge-Portfolio. Weiß ich denn jetzt, ob ich nicht vielleicht in ein paar Jahren doch wieder angestellt arbeite? Oder ob ich mir vielleicht überlege, einen Job im Ausland anzunehmen? In letzterem Fall wäre es mit der steuerlichen Absetzbarkeit und staatlichen Förderung logischerweise bei beiden Produkten vorbei!

Mir ist es unbegreiflich, wie man in der heutigen Zeit so unflexible Produkte überhaupt noch vertreiben kann. Die Generation Y ist nicht nur eine Erfindung der Medien: Schaue ich mich in meinem Umfeld um, gibt es da kaum noch die klassische Erwerbsbiografie – also 40 Jahre angestellt, vielleicht sogar in ein und demselben Unternehmen.

Ich werde wohl in den sauren Apfel beißen und mir meinen Riester-Vertrag auszahlen lassen. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Das allerdings bedeutet für mich: Ich muss für die vergangenen acht Jahre die Förderung und Steuervorteile zurückzahlen. Unterm Strich – ich habe es mal grob hochgerechnet – hätte ich dann einen guten Tausender vernichtet.

Was ich dann mit dem Geld mache? Das erfährst Du sehr bald auf ANYONECAN.DE